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“Einfach Kopf ausschalten und machen!” – Warum das nicht die erfolgreichste Strategie ist.

“Einfach Kopf ausschalten und machen!” – Unzählige Male habe ich diesen Satz schon gehört. Im täglichen Training beim Gespräch über das heutige Met-Con: „Ja, das ist n Workout, da muss man echt einfach den Kopf ausschalten und durchziehen“. Im persönlichen Coaching, wo Klienten berichten, dass sie „Einfach mal den Kopf ausschalten und machen“ sollten. Auch bei unseren Workshops war und ist das immer wieder ein Thema.

Heute ist es mir ein Anliegen, auf genau dieses Thema etwas spezifischer einzugehen: Die Rolle des Kopfes im Training und im Wettkampf.

Ich verstehe, warum dieser Satz so häufig gesagt wird und ich verstehe auch, dass da etwas dahinter steckt und vor allem auch was individuell dahinter steckt. Trotzdem ist die Message hinter diesem Satz eine, bei der ich mich innerlich irgendwie immer im Widerspruch befinde. Damit meine ich auf keinen Fall die individuelle Story und die ganz spezifischen Erfahrungen, die hinter diesem Satz stehen!

Vielmehr weckt die Häufigkeit, in der es in der Community um das „Kopf ausschalten“ geht, folgende allgemeingültige Sichtweise: Kopf anschalten = schlechte Leistung im Training oder Wettkampf

Es scheint so, als ob das Mitwirken des Kopfes etwas ausschließlich Negatives sei und man es tunlichst vermeiden sollte, irgendwie den Kopf im Training oder Wettkampf mit ins Spiel zu bringen oder gar gezielt und aktivanzuschalten“. Um Gottes Willen! „Einfach Kopf ausschalten und durchziehen“ impliziert damit: Nur ein Workout mit ausgeschaltetem Kopf ist ein Workout, in dem ich meine volle Leistung abrufen kann.

Jetzt schließe mal kurz die Augen und stell dir einfach mal für eine Sekunde vor, es wäre genau umgekehrt: Das gezielte ANschalten des Kopfes – BOOM – führt zu ungeahnten Möglichkeiten, PR’s von denen du schon lange geträumt hast, Benchmark-Zeiten die du im Leben nicht erwartet hättest und Leistungen, von denen du niemals gedacht hättest, dass du sie erreichen könntest. Abgefahren!

Jetzt öffnest du deine Augen wieder… und … nein, das ist tatsächlich kein Traum gewesen! Dein Kopf kann eine immense Hilfe beim Thema Leistungssteigerung sein, und zwar gerade dann, wenn du ihn gezielt anschaltest und die richtigen Werkzeuge kennst, die du einfach nur aus deinem Werkzeugkoffer holen musst.

Ich habe lange über ein Beispiel nachgedacht und mir ist folgendes in den Sinn gekommen: Mal angenommen du hast ein Auto, mit dem du Wettkämpfe bestreitest oder mit dem du auf einer Trainingsstrecke trainierst. Du hast zwei Möglichkeiten mit diesem Auto ins Training bzw. Rennen zu gehen: Mit voll beladenem Kofferraum (= Kopf hat negativen Einfluss auf die Leistung) oder mit leerem Kofferraum (= „Kopf ausgeschaltet“).

Welche Möglichkeit wirst du wählen?

Klar willst du, dass das Auto möglichst leicht ist, damit es auf möglichst viel Geschwindigkeit kommt. Also räumst du den Kofferraum leer, um Gewicht zu sparen. Weil du aber kurz vor dem Rennen immer damit beschäftigt bist, den Kofferraum zu entleeren und während des Rennens darauf achtest, in der Spur zu bleiben und deine Gegner einzuholen, ist dir noch nie dieser leicht versteckte Turbo-Knopf an deiner Kopfstütze aufgefallen. Den du einfach nur drücken müsstest, um alle Kräfte deines Autos zu mobilisieren, noch schneller zu werden und an deinen Gegnern vorbei zu ziehen.

Mentaltraining und Sportpsychologie ist genau das: Die Suche nach deinem eigenen Turbo-Knopf!

Und glaub mir, jede Person hat so einen “Turbo-Knopf”!

Bei einigen ist der Turbo an der Kopfstütze, bei anderen muss man am Radio eine bestimmte Tastenkombination einstellen, damit sich der Turbo einstellt, bei dritten ist der Knopf versteckt am Schalthebel, bei anderen wiederum ganz woanders. Man muss ihn nur finden.

Was will ich euch damit sagen: Die allgegenwärtige Sichtweise, dass nur mit „ausgeschaltetem Kopf“ eine gute Leistung möglich ist, halte ich für mehr als unzureichend. Vielmehr kann genau das Gegenteil der Fall sein: Gerade ein „eingeschalteter“ Kopf kann zu noch mehr Leistung führen, als ein „ausgeschalteter“. Für jede Person auf diesem Planeten gibt es passende mentale Strategien, die bei einer Leistungssteigerung helfen. Die Suche danach ist das Spannende.

Doch wie findest du ihn nun, deinen eigenen Turbo-Knopf?

A: Du liest diesen Blog, setzt dich mit der Thematik auseinander und erfährst so von verschiedenen Strategien – das ist schonmal ein guter Schritt. Denn du hast so schon ein wenig Wissen darüber, wie so ein Knopf aussehen könnte und wo er sich eventuell befindet. Sehr gut!

B: Arbeite mit dir selbst: Beobachte dich im Training. Wann kannst du deine Leistung gut abrufen? Wann eher nicht? Was sind dabei förderliche Gedanken oder Vorstellungen? Was eher nicht? Im selben Umfang, in dem du dein körperliches Training dokumentierst und auswertest, solltest du dich auch mit dem mentalen Aspekt deines Trainings beschäftigen.

C: Probiere verschiedene „Turbo-Knöpfe“ aus, d.h.: Wende gezielt Strategien (z. B. solche, die du hier auf dem Blog findest) an. Was funktioniert für dich gut? Was nicht so? In welchen Bereichen musst du noch Anpassungen vornehmen? Denn dadurch, dass du Handbücher über verschiedene Autos liest, findest du noch lange nicht dein eigenes Versteck – du musst schon selbst tätig werden und auf die Suche gehen.

Du brauchst dennoch Unterstützung, wie dein Kopf zu deiner Waffe wird? Schreib uns gerne eine Nachricht und wir schauen zusammen mal genauer in dein „Handbuch“!

 

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